Raufaser oder Vliestapete: was sich im Alltag durchsetzt
Beide werden gestrichen, beide decken kleine Unebenheiten, beide halten Jahrzehnte. Der Unterschied zeigt sich weniger an der Wand als beim Anbringen und beim späteren Entfernen.
Raufaser: der günstige Klassiker
Raufaser besteht aus zwei Papierlagen mit Holzspänen dazwischen, die für die Struktur sorgen. Sie ist das mit Abstand günstigste Material, kostet je nach Qualität wenige Euro pro Rolle und lässt sich acht bis zehnmal überstreichen, bevor die Struktur zuläuft.
Der Nachteil steckt in der Verarbeitung. Der Kleister wird auf die Bahn aufgetragen, danach muss sie einweichen, sonst bilden sich Blasen. Die eingeweichte Bahn dehnt sich, ist schwer und reißt leicht. Beim Entfernen kommt der zweite Haken: Raufaser muss durchfeuchtet und in Fetzen abgekratzt werden, was ein Tagewerk und viel Schmutz bedeutet.
Vlies: teurer im Einkauf, schneller in der Arbeit
Vliestapete besteht aus Zellulose- und Textilfasern. Der entscheidende Unterschied liegt im Verfahren: Der Kleister kommt an die Wand, nicht auf die Bahn. Die trockene Bahn wird direkt angesetzt und angerieben. Das geht deutlich schneller, funktioniert allein und produziert keinen Kleistertisch im Raum.
Vlies dehnt sich beim Anbringen nicht und schrumpft beim Trocknen nicht, deshalb bleiben die Nähte geschlossen. Das ist der Punkt, an dem Raufaser in Räumen mit schwankender Luftfeuchte oft aufgibt. Beim Entfernen lässt sich Vlies trocken in ganzen Bahnen abziehen, in vielen Fällen bleibt sogar die untere Lage als Untergrund für den nächsten Belag stehen.
Wo die Unterschiede praktisch zählen
Bei rissgefährdeten Untergründen ist Vlies klar im Vorteil, weil es zugfester ist und feine Bewegungen überbrückt. Nach einem Neubau oder einer Sanierung mit noch arbeitendem Untergrund lohnt der Aufpreis deshalb fast immer.
Bei großen Flächen ohne Zeitdruck und knappem Budget bleibt Raufaser wirtschaftlich, besonders in Mietobjekten, wo alle paar Jahre neu gestrichen wird. Wer allerdings die Entfernungskosten mitrechnet, verschiebt sich das Bild.
Optisch ist Vlies vielseitiger, weil es glatt, strukturiert oder bedruckt erhältlich ist. Raufaser hat genau eine Anmutung, in verschiedenen Körnungen.
Was in beiden Fällen über das Ergebnis entscheidet
Der Untergrund. Beide Beläge brauchen eine tragfähige, gleichmäßig saugende Fläche. Auf kreidenden Altanstrichen hält kein Kleister, auf stark saugendem Putz zieht er zu schnell an und die Naht öffnet sich. Wie die Vorbereitung abläuft, steht bei den Tapezierarbeiten.
Bei sehr glatten Wänden ohne Belag entscheidet stattdessen die Spachtelstufe über das Ergebnis, mehr dazu bei den Spachtelarbeiten.
Häufige Fragen
Was ist günstiger?
Im Material Raufaser deutlich. Rechnet man Arbeitszeit beim Anbringen und beim späteren Entfernen mit, gleicht sich der Abstand weitgehend aus.
Wie oft kann man überstreichen?
Raufaser etwa acht- bis zehnmal, danach läuft die Struktur zu. Vlies je nach Prägung ähnlich oft, glattes Vlies praktisch beliebig.
Kann man Vlies auf Raufaser kleben?
Besser nicht. Der alte Belag wird durch den Kleister durchfeuchtet und kann sich mitsamt dem neuen lösen. Raufaser gehört vorher runter.
Was hält besser bei Rissen?
Vlies. Es ist zugfester und überbrückt feine Bewegungen im Untergrund, wo Raufaser mitreißt.
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