Dispersionsfarbe oder Latexfarbe: wo der Unterschied wirklich liegt
Latexfarbe enthält seit Jahrzehnten keinen Latex mehr. Der Name ist geblieben, gemeint ist heute eine Dispersionsfarbe mit hohem Bindemittelanteil und dichtem Film. Beide gehören also zur selben Familie, sie unterscheiden sich im Grad, nicht in der Art.
Die Kennzahl, auf die es ankommt
Der entscheidende Wert heißt Nassabriebklasse und reicht von eins bis fünf, wobei eins die beste ist. Klasse eins und zwei gelten als scheuerbeständig, Klasse drei als waschbeständig, Klasse vier und fünf als nicht für beanspruchte Flächen geeignet.
Was im Handel als Latexfarbe verkauft wird, liegt meist in Klasse eins oder zwei. Eine einfache Wandfarbe für Schlafzimmerdecken landet oft in Klasse vier. Statt nach dem Produktnamen zu gehen, lohnt der Blick auf diese Angabe.
Was der dichte Film bringt
Latexfarben bilden einen geschlossenen, gut abwaschbaren Film. Handabdrücke, Kaffeespritzer und Straßenschmutz lassen sich abwischen, ohne dass die Farbe mitgeht. Dazu kommt ein leichter Glanz, der von seidenmatt bis glänzend reicht.
Das macht sie zur richtigen Wahl in Fluren, Treppenhäusern, Kinderzimmern, Küchen und überall dort, wo Wände angefasst werden. In Objekten mit hoher Frequenz spart sie über die Jahre einen kompletten Renovierungsdurchgang.
Was der dichte Film kostet
Diffusionsfähigkeit. Ein geschlossener Film lässt kaum Feuchtigkeit durch die Wand entweichen. In Räumen mit hoher Luftfeuchte oder an kalten Außenwänden verschiebt das die Kondensation an die Oberfläche, und das begünstigt Schimmel. Auf Kalk- und Lehmputzen ist Latexfarbe deshalb die falsche Wahl, dort geht ihr ganzer bauphysikalischer Vorteil verloren.
Der zweite Punkt ist die Renovierbarkeit. Auf einem glänzenden Latexanstrich haftet kaum etwas ohne Vorbehandlung. Wer später umstreichen will, muss anrauen und grundieren. Kleine Ausbesserungen sind zudem sichtbar, weil der Glanzgrad an der Stelle abweicht.
Und der Glanz zeigt jede Unebenheit. Streiflicht an einer seidenglänzenden Wand macht Spachtelstellen sichtbar, die matt nicht auffallen würden. Deshalb braucht Latex eine bessere Untergrundvorbereitung.
Die praktische Aufteilung
Matte Dispersion in Klasse zwei oder drei für Wohn- und Schlafräume, Decken und alles, was selten berührt wird. Latexfarbe in Klasse eins für Flure, Treppenhäuser, Küchen und gewerbliche Flächen. Auf mineralischen Untergründen und an feuchtegefährdeten Außenwänden dagegen konsequent diffusionsoffen bleiben, notfalls mit einer Silikatfarbe.
Für Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern ist die Kombination aus hoher Abriebklasse im Sockelbereich und matter Fläche darüber der übliche Weg, mehr dazu beim Treppenhaus streichen.
Häufige Fragen
Ist Latexfarbe wirklich abwaschbar?
Ja, in Klasse eins deutlich besser als jede matte Wandfarbe. Grober Schmutz und Fett lassen sich mit einem feuchten Tuch entfernen.
Kann man über Latexfarbe streichen?
Nur nach Anrauen und mit Haftgrundierung. Direkt darüber hält eine matte Dispersion nicht zuverlässig.
Fördert Latexfarbe Schimmel?
Nicht direkt, aber sie kann ihn begünstigen, wenn sie auf kalten Außenwänden oder in feuchten Räumen die Diffusion bremst. Dort gehört ein offenes System hin.
Welche Klasse für ein Kinderzimmer?
Klasse zwei ist ein guter Kompromiss aus Abwaschbarkeit und mattem Erscheinungsbild. Klasse eins mit Glanz wirkt in Wohnräumen oft zu hart.
Beratung zur passenden Farbe
Welches System zu welchem Raum und Untergrund passt, klären wir beim Aufmaß. Alle Innenleistungen finden Sie bei den Malerarbeiten und beim Wohnung streichen.
Telefon: 0911 65 65 82 78
E-Mail: info@weigand-bau.com




